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Das Geschäft mit der Krankheit

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In Osttirol wurde kürzlich ein Elternpaar zu einem Jahr bedingter Haft verurteilt, weil sie ihren Sohn nicht schulmedizinisch behandeln ließen. Drei Söhne hatte das Paar und alle waren sie von der selben Krankheit befallen. Die ersten beiden wurden schulmedizinisch behandelt und starben wenige Monate nach der Geburt. Der dritte Sohn wurde alternativ behandelt und starb im Alter von rund drei Jahren. Der Arzt wurde nun ebenfalls zur Rechenschaft gezogen, obwohl er mit seiner Methode mehr erreicht hat, als seine Kollegen davor. Offensichtlich will man an diesen Personen ein Exempel statuieren: wer alternativ behandelt muss mit Konsequenzen rechnen, wenn keine Heilung eintritt. Es stellt sich mir nun die Frage, warum die Schulmediziner, mit deren Behandlung zwei Buben viel früher verstorben sind, nicht genauso verurteilt werden?

In unserem Gesellschaftssystem ist die Krankheit ein Wirtschaftsfaktor. Wer behauptet mit gesunder Ernährung und einem geänderten Lebensstil gesund werden zu können, der wird als Scharlatan hingestellt. Die Kranken geben ihre Körper an der Spitalstür ab und erwarten sich beim Hinausgehen einen heilen Körper retour. Was dazwischen geschieht überlassen sie vollkommen den Ärzten. Beim nächsten Wehwehchen wieder ein paar Tabletten – der Arzt wird es schon richten. Erreicht man dann das 70. Lebensjahr ist oft schon ein Plan notwendig, um zu wissen, zu welcher Zeit welche Tablette genommen werden muss, damit sich die Organe nicht gegenseitig behindern.


Nun naht wieder die Zeit von Schnupfen, Husten und Grippe und die Geschäftsmaschinerie ist bereits voll im Laufen. Die Grippeimpfung ist fast schon ein Muss, dazu die diversen Säfte und Pillen – es hat den Anschein, als ob sich da wirklich jemand freuen würde, wenn so viele wie möglich krank werden – oder zumindest Angst davor haben, krank zu werden. Denn die Angst allein reicht ja schon aus. Sinngemäß steht in der Bibel, dass man das bekommt, woran man glaubt. Wer also glaubt, dass nun Grippezeit ist und dass es einen da halt auch einmal erwischt, der wird Recht bekommen. Für denjenigen, für den die Grippezeit eine Zeit wie jede andere ist, der wird auch kaum daran erkranken. Übrigens sollten Sie in diesem Zusammenhang einmal auf Ihre Sprache achten, denn diese sagt Ihnen sehr genau, wo das eigentliche Übel liegt, wenn Sie „die Nase vollhaben“, „nichts mehr schlucken wollen“ oder wenn Sie zu jemandem sagen: „Komm mir nicht zu nahe, ich bin erkältet.“ Mehr zu diesen Redewendungen erfahren Sie im Buch „Krankheit als Symbol“ von Ruediger Dahlke.

Brigitte Eberharter
Freie Journalistin
Tel: 0664/2128135
E-Mail: brigitte.eberharter@snw.at  
Weitere Kommentare in den Boten des Tatzelwurmverlags im Internet: www.ersi.at

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