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Bewegung muss gefördert werden

Früher gab es bei jedem Haus einen Hof, dort konnten sich die Kinder austoben. Heute sind die Grünflächen den Hunden vorbehalten und sofort gibt es Beschwerden, wenn Kinder zu laut sind.

Wie oft wird über die heutigen Kinder gemault, weil diese nur vorm Fernseher oder dem Computer sitzt? Dabei täte ihnen Bewegung so gut. Ganz klar, dass die Kinder immer dicker werden. Anstatt sie in der Schule mit Daten und Fakten vollzustopfen wäre es angebracht, sie für Sport zu interessieren und ihnen die Grundlagen einer vernünftigen Ernährung darzulegen. Erschreckt stellt man fest, dass Diabetiker immer jünger werden, doch offensichtlich stellt sich im Gesundheitswesen und in der Politik keiner die Frage, warum das so ist. Die Überernährung ist die eine Seite, dann kommt aber sofort die fehlende Bewegung. Das Herumtoben, das Wachwerden, das gegenseitige Austauschen und sich Behaupten lernen, das sich früher am Schulweg zugetragen hat, ist längst passé, weil es fast keine Kinder mehr gibt, die zu Fuß zur Schule gehen. Entweder sie kommen mit dem Bus oder Taxi „Mama“ bringt sie zur Schule.


Die Schülerfreifahrten kosten dem Staat eine Menge Geld, doch noch viel mehr kosten ihn die „Folgeschäden“ dieser Aktion. Wer in der Jugend die Lust an der Bewegung nicht lernt, der wird auch später in den seltensten Fällen Sport ausüben. Man scheut sich nicht, die Kinder geistig zu strapazieren, sechs bis acht Stunden in der Schule, danach noch ein paar Stunden mit den Hausaufgaben. So manch Erwachsener würde angesichts dieser Anforderungen rebellieren. Und es erscheint mir auch nicht verwunderlich, dass so viele Kinder heute Auffälligkeiten zeigen. Sie stehen ständig unter Beobachtung. Bei kinderreichen Familien war es nicht möglich, dass die Eltern jedes einzelne der Kinder ständig kontrollieren konnten. Aber sobald heute das Kind einen Schritt macht, wird es schon zurecht gewiesen und in die Richtung gedrängt, die man als Erwachsener für richtig hält. Eigene Erfahrungen zu sammeln ist fast nicht mehr möglich.


„Ein müdes Kind fängt nie an zu raufen“, sagt mir kürzlich Harald Mair, Ausbildner beim Tiroler Tennisverband. Er appelliert eingehend dahin, dass sich die Kinder wieder mehr bewegen dürfen. Hausaufgaben in Sport hielte er für angebracht und diese ließen sich auch leicht überprüfen, denn wenn ein Kind nach 14 Tagen noch immer nicht seitlich hüpfen kann, dann hat es offensichtlich das Hausaufgaben-Training nicht erledigt. Und es wissen alle, die in irgendeinem Bereich des Sports zu tun haben: einfache Dinge, wie hüpfen, einen Ball fangen, rückwärts laufen, das können heute sehr viele Kinder nicht mehr. Wie wird das erst sein, wenn diese heutige Kindergeneration, die jetzt schon Probleme hat, bei einfachen Übungen das Gleichgewicht zu halten, ins Seniorenalter übergeht. Die Probleme werden von den Politikern zwar gesehen, doch die Lösung dafür überlassen sie lieber ihren Nachfolgern. Denn würden sie einige Bequemlichkeiten streichen, dann würde das ein unmittelbares Minus auf ihrer Beliebtheitsskala bedeuten. Und wer will das schon?

Brigitte Eberharter
Freie Journalistin
Tel: 0664/2128135
E-Mail: brigitte.eberharter@snw.at  
Weitere Kommentare in den Boten des Tatzelwurmverlags im Internet: www.ersi.at

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