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Glyphosat im Blut

Unter dem Namen Round up ready gibt es auch in den Regalen der heimischen Lagerhäuser ein Unkrautvernichtungsmittel, das sowohl den Landwirten als auch den Hobbygärtnern zur Verfügung steht. Doch was so harmlos klingt ist alles andere - die Rückstände davon lassen sich nun auch im Blut der Tiere und sogar beim Menschen nachweisen.

Ein großer Teil des europäischen Viehfutters besteht aus Soja und Mais, das aus Süd- und Nordamerika importiert wird. Bei der Herstellung des Futters wird vor allem auf möglichst hohen Ertrag geachtet und deshalb wird dort intensiv mit Gentechnik gearbeitet. Ob die genmodifizierten Pflanzen an sich schädlich für Tier- und Mensch sind, bleibt zunächst dahingestellt. Aber was nachgewiesenermaßen extrem schädlich ist, ist das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, mit dem die dagegen resistenten Pflanzen regelmäßig eingesprüht werden, um konkurrierendes Unkraut zu eliminieren. Sogar kurz vor der Ernte wird Getreide noch einmal mit Glyphosat eingesprüht, damit die zu erntenden Pflanzen gleichmäßig absterben und somit vor der Ernte besser trocknen.

Zu denken sollte einem auch geben, dass in Kolumbien die Mohnfelder der Rebellen mit Glyphosat vernichtet werden.

In Österreich kann sich jeder Bürger Glyphosat unter dem Handelsnamen Round-up ready besorgen und es ist bei den Gartenbesitzern durchaus recht beliebt um etwa Wege Unkrautfrei zu halten. Auf den großen Landwirtschaften in Deutschland wird es als ganz legales Pflanzenschutzmittel verwendet. Allerdings wird den Bauern empfohlen, dass sie zur Ausbringung einen Schutzanzug anziehen und zwei Tage lang das Feld nicht betreten. Andererseits kann fünf Tage nach der Ausbringung geerntet werden.

Der argentinische Professor Andrés Carrasco hat in einer 2009 veröffentlichten Studie die Gefährlichkeit des Spritzmittels Roundup nachgewiesen. Sein Fazit: Das Herbizid verursache Fehlentwicklungen in Embryos von Fröschen und Hühnern, und das bereits in einer Dosierung, die unterhalb der in der Landwirtschaft üblichen Mengen liege. Schon früher muss es ernstzunehmende Erkenntnisse in dieser Richtung gegeben haben. Sie sollen nicht nur der Industrie, sondern auch den Zulassungsbehörden bekannt gewesen sein. Dies wenigstens behauptet eine internationale Gruppe von Forschern von der Vereinigung Earth Open Source um den in London lehrenden Molekular-Genetiker Michael Antoniou. Titel der Studie: „Round-up und Geburtsdefekte – wurde die Öffentlichkeit im Dunkeln gelassen?“ Das Papier weist auf Fehlgeburten und Fehlbildungen bei Neugeborenen aus Argentinien und Paraguay hin, deren Eltern in der Nähe der Gen-Soja-Felder leben. Darüber hinaus zeigt es nach Studium der Zulassungsunterlagen, dass die deutschen Behörden von Missbildungen bei Föten von Ratten und Kaninchen wussten.

Forscher an der Universität Sherbrooke im kanadischen Quebec haben das Blut von Menschen, die nachweislich Lebensmittelprodukte aus herbizidresistenten bzw. schädlingsresistenten Gentech-Pflanzen konsumiert haben, untersucht. Gemessen wurde die Konzentrationen der Herbizide Glyphosat und Glufosinat (und deren Zwischenprodukt im biochemischen Stoffwechselvorgang) sowie das Bt-Toxin, das vom Cry1AB-Gen aus schädlingsresistenten Gentech-Pflanzen stammt, im Blut von 39 nicht-schwangeren und 30 schwangeren Frauen sowie deren Foeten. Alle Frauen leben in Sherbrooke und hatten keinen Kontakt mit Pestiziden in ihrem Arbeitsumfeld. Vom Lebensmittelangebot in Sherbrooke muss davon ausgegangen werden, dass sie in ihrer täglichen Ernährung Bestandteile aus herbizidresistenten und schädlingsresistenten Gentech-Pflanzen aufgenommen haben. Sowohl Glyphosat wie auch Glufosinat wurden im Blut einiger nicht-schwangeren Frauen gefunden. Besonders brisant am Resultat ist, dass 93% der untersuchten schwangeren Frauen und 80% derer Föten (d.h. das Bt-Toxin passiert sogar die Plazenta) sowie 69% der nicht-schwangeren Frauen das Bt-Toxin Cry1AB im Blut aufwiesen. Die immer wieder gehörte Behauptung, Bt-Toxine würden im menschlichen Verdauungstrakt zersetzt, ist somit widerlegt. Damit steigt die Besorgnis, dass die Bt-Toxine aus Gentech-Lebensmitteln nicht effizient und vollständig aus dem Magen-Darm-Trakt ausgeschieden werden, sondern ins Blut gelangen und möglicherweise ein beachtliches Risiko für Konsumentinnen und Konsumenten darstellen könnten.

Der Münchner Wissenschaftler Christoph Then verlangt wegen der nun erkannten Gefährdung des menschlichen Fortpflanzungssystems bei der anstehenden und von den EU-Behörden um drei Jahre auf 2015 verschobenen Neuzulassung von Glyphosat völlig neue Maßstäbe. Denn vielen Verbrauchern ist wenig bewusst, dass sie über die Fütterung der Tiere der Endverbraucher des Gen-Sojas sind.

Text: Brigitte Eberharter
e-Mail: brigitte.eberharter@snw.at
Quelle: diverse



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