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Die grüne Wüste Paraguays

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Was hat Sojaanbau mit uns hier zu tun?


Esther Leiva ist Kleinbäuerin in Paraguay. Das Leben dort ist bestimmt vom Sojaanbau, der innerhalb von zehn Jahren aus einem fruchtbaren Land eine grüne Wüste entstehen hat lassen. Die deutsche Ethnologin Steffi Holzer hat die Bäuerin für einige Vorträge nach Deutschland geholt und auch in der Volksschule Ebbs referierten die Beiden.

50 Millionen Hektar, das ist die Hälfte der Sojaproduktion weltweit, wird in Argentinien, Brasilien und Paraguay angebaut. 77 Prozent der Flächen werden mit gentechnisch verändertem Soja bepflanzt und das bereitet den Menschen dort die größten Probleme. Antriebslosigkeit, Todesfälle, missgebildete Kinder ohne Arme oder Beine, Hautkrankheiten, Tumore – das ist das Ergebnis dieser Monokultur. Auch die Haustiere, ein wichtiger ökonomischer Faktor für die Kleinbauern, sterben ganz einfach. „“Wir brauchen Soja nicht. Es wird alles exportiert“, klagt Esther Leiva, die für die „Organication Lucha por la tierra“ arbeitet. Sie kämpft also für die Landlosen, von denen es in ihrer Heimat immer mehr gibt. Denn es war in Paraguay üblich, dass jeder ein Stück Land bearbeitet hat, welches im von Staats wegen zustand, und davon konnte die Familie ernährt werden. Durch die ständige Ausdehnung der Sojaanbauflächen sind immer mehr gezwungen, ihr Land zu verlassen. Es herrscht eine Militärdiktatur und wer nicht freiwillig geht, der wird verjagt. Tausende Menschen sind verschwunden. Es gibt wissenschaftliche Studien, die diese gesundheitlichen Störungen bestätigen, doch Ärzte werden bedroht, wenn sie derartiges anzeigen. „Die Regierung will den Anbau weiter forcieren, es gibt Vergünstigungen für die großen Bauern und es besteht keine Begrenzung für den Landkauf, den die Politik ist korrupt“, sagt die Bäuerin.


Fünf Mal wird Gift gespritzt


„Drei Prozent der Bevölkerung verfügt über 86 Prozent des Bodens in Paraguay“, weiß Steffi Holzer. Sojabarone werden diese Familien genannt, die zum Großteil aus Amerika oder Deutschland kommen. Sie kümmern sich nicht um Vorschriften, Hauptsache „der Rubel rollt“. Der Soja wird bis unmittelbar zu den Häusern und Hütten hin gepflanzt, ohne schützenden Grünstreifen. Von September bis Jänner wird fünf Mal Gift auf die Felder gesprüht – entweder vom Traktor aus oder aber auch aus der Luft. Das Unkrautvernichtungsmittel Round up ready kommt tonnenweise zum Einsatz und das darin enthaltene Glyphosat, das man mittlerweile auch im Blut von Tieren und Menschen nachweisen konnte, vernichtet jede Pflanze außer dem Soja.
„Wir wollen produzieren ohne zu töten und essen ohne zu sterben“, fordern Esther Leiva und ihre Organisation. Die größten Abnehmer des gentechnisch veränderten Sojas aus Paraguay sind die deutschen Bauern. Auch nach Österreich wurden beispielsweise im Jahr 2009 500.000 Tonnen, überwiegend gentechnisch veränderter Soja importiert und natürlich auch verfüttert.


Probleme des weltweiten Handels


Bei der anschließend Diskussion, die vom ehemaligen Schuldirektor von Niederndorf, Rupert Mayr, geleitet wurde, ging es vor allem um die Frage, wie man es schaffen kann, die Leute in der Region darüber aufzuklären, wie wichtig es ist, regionale Lebensmittel zu kaufen. Er weiß, dass Kinder mehr Verständnis für derartige Anliegen haben, die die Natur betreffen. Und so wie dies bei der Mülltrennung der Fall war, muss wohl auch die gesundheitsbewusste und regionale Ernährung über die Kinder zu den Erwachsenen vermittelt werden. „1970 waren in Niederndorf 59 Bauern, heute sind es 18“, weiß Sennereibetreiber Herbert Plangger. Der weltweite Handel mit Futter- und Lebensmitteln bereitet mittlerweile enorme Probleme. Wer als Konsument sichergehen will möglichst naturbelassene Produkte zu essen, der ist gut beraten, auf Regionales und Saisonales zu setzen.

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